Sol Gabetta und Mikko Franck in Redefin

Sol Gabetta und Mikko Franck beim Konzert der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern in Redefin. Kulturblog von Katharina von der Heide und Oliver Borchert

 

Mit Hector Berlioz' Ouvertüre groovte sich das Orchestra Philharmonique de Radio France unter Leitung des finnischen Dirigenten Mikko Franck ein. Seit der Beginn der Pandemie hat das französische Orchester keine ausländischen Konzerte mehr gegeben. So lange mussten Musiker und Zuschauer auf diesen Moment warten. 

Sol Gabetta und Mikko Franck beim Konzert der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern in Redefin. Kulturblog von Katharina von der Heide und Oliver Borchert

Nun endlich ging es mit der Solo-Cellistin Sol Gabetta auf Tour, wobei das Landgestüt im westmecklenburgischen Redefin den Auftakt darstellte. Einen besseren Start hätte das Orchester gar nicht haben können:

Schostakowitschs selten gespieltes 2. Cellokonzert stand auf dem Programm.

 Sol Gabetta fing mit kräftigem dunklem Klang an, doch schaffte das Cello es nicht, sich aus den tiefen Klängen loszureißen. Die Celli und Kontrabässe des Orchesters sprangen ihr zur Seite. Vergebens. Immer wieder wurde die Solostimme niedergedrückt, selbst, auch als die dunklen Bläser versuchten, sie mitzunehmen und aufzurichten. Bei diesem Schostakowitsch gab es keinen Raum, um musikalische Themen zu entfalten. Immer wieder wurden harmonisch freundliche Themenfragmente niedergedrückt vom militärischen Einerlei. 

Sol Gabetta und Mikko Franck beim Konzert der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern in Redefin. Kulturblog von Katharina von der Heide und Oliver Borchert
Sol Gabetta und Mikko Franck beim Konzert der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern in Redefin. Kulturblog von Katharina von der Heide und Oliver Borchert
Sol Gabetta und Mikko Franck beim Konzert der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern in Redefin. Kulturblog von Katharina von der Heide und Oliver Borchert

Ein wunderbar sperriges Stück, bei dem sich sämtliche Nackenhaare sträubten und einem ein eisiger Schauer über den Rücken lief. Dazu eine Sol Gabetta, die ihren ganz eigenen Stil des Cellospiels pflegt. Wer sich etwas mit Schostakowitschs Zwängen auseinandergesetzt hatte, denen er zu seinen Lebzeiten in der Sowjetunion unterworfen war, konnte durch Sol Gabettas großartiges Spiel direkt in das offengelegte Seelenleben des Komponisten sehen. 

 
Sol Gabetta und Mikko Franck beim Konzert der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern in Redefin. Kulturblog von Katharina von der Heide und Oliver Borchert
Sol Gabetta und Mikko Franck beim Konzert der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern in Redefin. Kulturblog von Katharina von der Heide und Oliver Borchert

Der zweite Teil des Konzertes wurde ebenso aus den langsamen Tiefen gehoben. Die Pathétique von Pjotr Iljitsch Tschaikowski ist seine letzte Sinfonie, hat er sie doch wenige Tage vor seinem plötzlichen Tod uraufgeführt. Gewaltige Klanggerüste wechseln bei Tschaikowski bekanntermaßen mit äußerst lieblichen Melodien. Doch nach dem kräftigen dritten Satz war das Stück noch nicht zu Ende. Die Erlösung brachte erst der an der Seele rüttelnde vierte Satz. 

Sol Gabetta und Mikko Franck beim Konzert der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern in Redefin. Kulturblog von Katharina von der Heide und Oliver Borchert

Als Zugabe wurde zum Schluss "Valse Triste" von dem Finnen Jean Sibelius zu Gehör gebracht. Was viele nicht wissen, damals, 1904, als der Konzertwalzer komponiert wurde, war Finnland noch ein Großfürstentum Russlands. So ging ein atemberaubendes sehr stimmiges Programm zu Ende, das klanglich und athmosphärisch übrigens wunderbar in diese ausverkaufte Reithalle passte.   

Sol Gabetta und Mikko Franck beim Konzert der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern in Redefin. Kulturblog von Katharina von der Heide und Oliver Borchert

Fotos: Oliver Borchert

Text: Katharina von der Heide

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