Festspielherbst auf Rügen

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Bei Neukamp

Die Bäume beginnen sich bunt zu färben und ein starker frischer Wind kündigt kühle Monate an. Regen, Sonne und Wolken malen bizarre Gemälde an die große Himmelsleinwand  oberhalb einer einmaligen Hügellandschaft aus Wasser und Erde.

Das ist Herbst auf der Insel Rügen, einem ganz eigenen Paradies im äußersten Nordosten Deutschlands. Traumhaft auch zu jeder anderen Jahreszeit, wie dem Frühling. Dann treffen sich normalerweise eingeschworene Kammermusikfans dort mit den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern. Doch dieses Jahr ist bisher so einiges anders gewesen und somit wurde auch der Festspiel-Frühling kurzerhand in einen Festspiel-Herbst verwandelt. 

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Bei Groß Zicker
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Auf dem Zicker Berg

Erstmalig und einzigartig. Einzigartig auch wegen der Künstler und des Programms. Das Armida Streichquartett, bestehend aus Martin Funda (Violine), Johanna Staemmler (Violine), Teresa Schwamm-Biskamp (Viola) und Peter-Philipp Staemmler (Violoncello), hat die künstlerische Leitung des zehn Tage langen Musikfestes übernommen, bei dem die unterschiedlichsten Orte der Insel Rügen zum Klingen gebracht werden.

 

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Armida Quartett im Marstall Putbus
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Den Anfang machten die Gastgeber mit einer großartigen Interpretation von Janáčeks Streichquartetten Nummer Eins und Zwei und gemeinsam mit dem Pianisten Kit Armstrong mit einem Klavier-Quintett von Dvorák in dem festlich beleuchteten Marstall von Putbus. Weiter entführten einen die Festspiele an traumhafte Orte wie auf die Seebrücke von Sellin, wo die Zuschauer während der wunderbaren Livemusik ringsum Schiffe, Vögel und Strandspaziergänger beobachten können. 

 

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Freude nach gelungenem Auftakt: Das Armida Quartett mit Intendantin Ursula Haselböck und Kit Armstrong
 
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Direkt am Bodden auf einer Landzunge liegt der Gutshof Lebbin. Nach einer längeren Fahrt durch die malerische Insellandschaft wird das Publikum gastfreundlich mit Kaffe- und frischem Kuchenduft in einer gemütlichen Scheune empfangen. Weich klingt die Streichmusik durch den Holzfussboden und die Holzdecke.

Die friedvolle Atmosphäre spüren auch die Künstler, die sich zwischen den Konzerten ebenfalls unter das Publikum mischen um zu essen, zu plaudern und in Ruhe den fantastisch weiten Blick zu genießen.

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Ein komplett anderer Ort ist hingegen die Nordperd-Halle in Göhren. Als Sporthalle dient die Allzweckhalle normalerweise der Regionalschule und nun sollte dort der große Jazzposaunist Nils Landgren auftreten. Wegen Krankheit musste er jedoch kurzfristigst in der Nacht zuvor absagen. Doch es wären nicht die Festspiele MV, wenn sie sich nicht spontan einen Ersatz schaffen könnten. So wurden ad hoc die Wiener Musikcomedianten Aleksey Igudesman (Violine) und Hyung-ki Joo (Klavier) mit ihrem Programm „And now Beethoven“ eingeflogen und sie brachten das Publikum mit Gassenhauern wie „Für Elise“ zum Lachen und stellten im Schnellspielen mit Zeitmessung sportliche Rekorde auf. 

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Die Konzerte in Binz hatten wiederum einen anderen Charakter: Der opulente Saal im Kurhaus mit Teppich unter den Füßen und Kronleuchter über den Köpfen lädt ein, im Charme der 1920er-Jahre zu schwelgen. Bei grauem ungemütlichem Wetter wurde das Publikum beispielsweise von Etta Scollo und dem Armida-Quartett nach Italien entführt - immer mit einer netten Geschichte zu den Liedern verbunden. 

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Kursaal Binz
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Armida Quartett mit Etta Scollo
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Untereinander kannte sich nach wenigen Tagen das Publikum schon und man hatte sich immer etwas zu erzählen: Da war der eine bei dem einen Konzert und der andere bei einem weiteren. Tagsüber hat man Zeit für einen Strandspaziergang, für ein gepflegtes Essen oder für einen Gang in die örtlichen Entspannungseinrichtungen und kommt erholt zum Konzert. 

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Stehende Ovationen für Hannelore Hoger und Sebastian Knauer in Putbus

Man muss nicht alle Konzerte besuchen und auch nicht alle großartig finden, aber das Gesamtpaket ist grandios. Unterm Strich ist der Festspiel-Herbst, wie der Festspiel-Frühling auch, ein unvergleichliches Format: Da lernen die Künstler und die Zuhörer die flächengrößte Insel Deutschlands von ihrer allerbesten Seite kennen. Jeder fährt mit schönen Erinnerungen nach Hause und wird noch lange daran denken. Spätestens im nächsten Jahr im Frühling wird man sich auf der Insel wieder begegnen. 

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Und auch für das Armida- und das Heath Quartet beim tradiotionellen Kehraus zum Abschluss
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Herbstfreuden pur - hier auf dem Gut Lebbin

Fotos: Oliver Borchert

Text: Katharina von der Heide

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