Heute ist das Tier der Woche mal wieder ein kleiner unscheinbarer und auf den ersten Blick brauner Vogel, von denen es ja einige hierzulande gibt - doch es sind nicht alles die fröhlich aussehenden Spatzen. Bei genauerem Hinsehen erkennt man Unterschiede in der Gefiederfärbung und im Charakter dieser "kleinen Braunen".
Die weit verbreiteten aber sehr scheuen Heckenbraunellen sind durch ihre graublaue Brust und ihr braunes Rückengefieder besonders unauffällig gezeichnet. Beide Geschlechter sehen bei diesen Vögeln zusätzlich gleich aus. Mit ihrem charakteristischen, etwas gebogenen dünnen und dunklen Schnabel ernähren sie sich im Sommer meist von Insekten, Spinnen, Larven und anderen kleinen Tieren. Nun haben sie zum Winter hin ihren Speiseplan auf Samen umgestellt. Die 15 Zentimeter langen und etwa 20 Gramm schweren Vögel leben das ganze Jahr in unseren Hecken und in den Gebüschen der Gärten, Parks und Waldränder und profitieren gebietsweise sogar von den jungen Fichtenmonokulturen.
Auch bei den Heckenbraunellen ist, wie bei den Stockenten, ein stetiger Wechsel der einzelnen Tiere zu beobachten. Sie sind bei uns das ganze Jahr anzutreffen, aber im Winter sind es andere Individuen als in der Sommerzeit. So ziehen die Heckenbraunellen als Teilzieher im Herbst aus dem kälteren Norden und Osten zu uns und diejenigen, die die Brutzeit hier verbringen, ziehen teils in südlichere Regionen.
Bemerkenswert ist, dass bei dem emanzipierten Vogel auch die Weibchen im Frühjahr Reviere besetzen. So kommt es dazu, dass sich die Reviere mehrerer Männchen mit einem Weibchen überlappen oder umgekehrt. So unscheinbar die Braunellen daherkommen, so ausgeklügelt scheint ihre Sozialstruktur und ihre Brutbiologie zu sein.
Übrigens: Der Warnruf der Heckenbraunelle ist eher als scharfes "dsiit" zu vernehmen, während der Gesang fein und hoch klirrend mit Trillern versehen klingt. Leicht wird er auch wegen der Unscheinbarkeit der Vögel mit dem Gesang der Mönchsgrasmücke oder des Zaunkönigs verwechselt.
Fotos: Oliver Borchert
Text: Katharina von der Heide