Neuntöter (Lanius collurio)

Tiere vor der Haustür - Der Neuntöter, Lanius collurio, im Naturentdeckerblog von Katharina von der Heide und Oliver Borchert
Das Männchen in seiner charakteristischen Färbung

 

 

Bei dem mörderischen Namen Neuntöter denken viele an ihren letzten Krimi. Der Name ist eine Folge aus dem irrwitzigen Volksglauben, dass der Neuntöter erst neun Beutetiere aufspießt, bevor er sie verspeist. Es ist wohl wahr, dass er seine Nahrung, also Großinsekten, Kleinsäugetiere und kleine Vögel auf Dornen und Stacheln spießt, doch es sind nicht unbedingt neun.

Ähnliche Namen wie Neunmörder oder Neunwürger entstanden auch. Ein anderer heute gebräuchlicher Name ist Rotrückenwürger. Letztere klingen auch nicht weniger kriminell, beziehen sich aber auf die Familie der Würger. Nicht so blutrünstig ist hingegen der niederdeutsche Name "Dickkopp". Eine etwas lapidare aber passende Bezeichnung, bezieht sie sich doch auf die würgertypischen Proportionen. 

Die Lauerjäger jagen von einer Warte aus ihre Beutetiere, die sich in einem Umkreis von zehn Metern befinden können. Eine andere Jagdstrategie der Neuntöter ist die Pirsch. Vorm Verspeisen werden sorgfältig die Beine, Fühler oder die Flügel von den Insekten getrennt. Raupen werden gegen Zweige geschlagen und durchgewalkt. Sollten sich doch noch unverdauliche Reste in der Nahrung befinden, werden diese als Spielballen ausgewürgt.


Mit 17 Zentimetern ist der Neuntöter ungefähr so groß wie ein Buchfink und ist damit die kleinste Würgerart. In Mitteleuropa tritt er als Vertreter seiner Familie allerdings am häufigste auf. Er ist ein Sommergast. Hier brütet er in halboffenen Landschaften, mit vielen Hecken und Sträuchern, wie zum Beispiel dem Siebendörfer Moor. In der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts sind die Bestände an Neuntötern wegen intensivierter Landwirtschaft enorm eingebrochen. Jetzt braucht man viel Glück, um diesen Vogel zu sehen. Im Winter ist es nicht möglich ihn zu entdecken, da weilt er im südlichen Teil Afrikas.

 
Übrigens sehen die Geschlechter sehr unterschiedlich aus. Die Männchen mit ihrem rostrotbraunen Rücken, der hellen Bauchseite und der schmalen schwarzen Maske sind viel kontrastreicher als die durchgängig schuppig rötlich braun gefärbten Weibchen. Innerhalb lokaler Populationen gibt es allerdings auch noch kleine abweichende Varianten.

 
Tiere vor der Haustür - Der Neuntöter, Lanius collurio, im Naturentdeckerblog von Katharina von der Heide und Oliver Borchert
Das eher unscheinbare Weibchen

Fotos: Oliver Borchert

Text: Katharina von der Heide

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