Wespenspinne (Argiope bruennichi) 

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Am Lankower See sind immer viele kleine und große Tiere zu finden. Als wir neulich über die Wiesen am westlichen Ufer spazierten, entdeckten wir eine ganz besondere Spinne: Wespenspinnen, die auch Tigerspinnen genannt werden, leben noch gar nicht so lange in Norddeutschland. Vor etwa fünfzig Jahren gab es sie nur an einigen wenigen Stellen vor allem im südlicheren Deutschland. Heute dagegen sind sie in Europa sehr verbreitet.

Das 22 Millimeter große Lankower Spinnenweibchen hatte ein Netz an einem der Grasbüschel gebaut, das die Schafe stehen gelassen haben, und wartete nun auf Nahrung. Am liebsten fressen diese Spinnen Heuschrecken, aber sie verschmäht auch Bienen, Fliegen und andere Insekten nicht. Ist ihr die Beute ins Netz gegangen, wird sie eingewickelt und mit Gift getötet. Durch das injizierte Gift und die Verdauungssekrete werden die Weichteile der Beute verflüssigt und die Wespenspinne kann sie aussaugen. Keine schöne Vorstellung, aber für den Menschen sind diese Tiere völlig harmlos, da sie so kurze Giftklauen besitzen, dass sie gar nicht nicht durch unsere Haut hindurchkommen. Und sollte dies doch mal der Fall sein, kann es eventuell eine kleine Rötung an der Stelle geben. Weiter passiert aber nichts.

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Die Paarung bei den Wespenspinnen ist nicht gerade romantisch - eher dramatisch: das mit sechs Millimetern wesentlich kleinere Männchen erregt das Weibchen mit charakteristischem Rütteln und Zupfen an dessen Netz. Das Weibchen erhebt sich und das Männchen kann unter sie schlüpfen. Doch muss es sehr behutsam und schnell sein, denn es kommt in 80 Prozent der Fälle vor, dass das Weibchen das Männchen nach der Begattung einwickeln und töten möchte. Diese kannibalistische Tragödie erleben die Wespenspinnen gleich mehrfach zwischen Ende Juli und im August, werden die Weibchen doch von gleich mehreren Männchen begattet und sammeln die Spermien der unterschiedlichen Männchen bis zur Befruchtung in einer Vorratstasche.

Ende August legen sie dann die je etwa 300 Eier in Kokons ab. Dort überwintern die dann geschlüpften Jungspinnen, bevor es im Mai warm genug ist und sie den Kokon verlassen. Dann lassen sich von der Thermik in die Luft und davontragen, um sich anderswo ein neues Netz zu bauen. Innerhalb von kürzester Zeit häuten sie sich etwa zehn Mal, bevor sie im selben Sommer ausgewachsen sind.

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Text: Katharina von der Heide

Fotos: Oliver Borchert

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