Kammermusik im Ballsaal

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Grand Hotel Heiligendamm

Die weiße Stadt am Meer ist für viele ein magischer Ort, wurde sie doch 1793 als erstes deutsches Seebad gegründet und erlangte durch den G8-Gipfel 2007 internationale Bekanntheit. 

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Historischer Ballsaal

"Wo hat man das schon? Kurz vor dem Konzert waren die Musiker noch barfuß in der Ostsee, nun sind sie hier und haben wieder Socken an", wusste die neue Intendantin Ursula Haselböck der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern am 1. Juli 2021 im Ballsaal des Grand Hotels zu berichten. Ihre Sprache verrät, woher sie ursprünglich kommt: Die Wiener Kaffeehausatmosphäre wurde nicht alleine durch die drei riesigen Kronleuchter unterstrichen, entführte doch auch die dargebotene Kammermusik die Besucher in die Region der Donaumetropole. 

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Zartschmelzend wie Schokolade auf der Zunge zerging die Interpretation des Terzettos op. 74 von Antonín Dvořák (1841-1904), vorgetragen von Stephen Waarts (Violine), Noa Wildschut (Violine) und Nils Mönkemeyer (Viola). Eine ungewöhnliche Kombination an Instrumenten von drei brillanten Solisten. 

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Noa Wildschut

Beim folgenden Streichquartett konnten die Besucher die Freude am Zusammenspiel miterleben. Um ein Ensemble so in Einklang zu bringen, wie diese vier Musikerinnen und Musiker vom Aris Quartett es konnten, braucht es viel Routine und Vertrauen ineinander. Wie eine klitzekleine Sinfonie kam Ludwig van Beethovens (1770-1827) Streichquartett Nr. 1 F-Dur op. 18 Nr. 1 daher und ließ die Größe des späteren Meisters erahnen.

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Aris Quartett
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Dieses Preisträgerkonzert war von Anfang an gespickt mit hochklassigen Musikern. Ein selten gehörtes Werk, das Duo op. 7 von Zoltán Kodály (1882-1967), wurde von keinem geringeren gespielt als dem Cellisten Daniel Müller-Schott mit seinem Duopartner an der Geige Stephen Waarts. Geschöpft aus der ungarischen Volksmusik, dessen Erforschung Kodály in den Jahren der Entstehung des Duos betrieben hat, scheint sein Ideenreichtum zu bersten. Durch die anklingenden Wirren vor dem ersten Weltkrieg war es teils schwierig, eine gerade Linie durch das phantasievolle Werk zu finden. 

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Daniel Müller-Schott
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Stephen Waarts und Daniel Müller-Schott

Doch das Publikum wurde ganz in den Rausch hineingezogen und ließ sich die Füße wegziehen, so wie es ein paar Meter entfernt vom Ballsaal die 17 Grad warme Ostsee so unnachgiebig am Strand tat. 

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Fotos: Oliver Borchert

Text: Katharina von der Heide

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