Wanderfalke (Falco peregrinus) 

Tiere vor der Haustür - Der Wanderfalke, Falco peregrinus, im Naturentdeckerblog von Katharina von der Heide und Oliver Borchert

Im Schweriner Dom sagen nicht nur Menschen "Ja" zueinander. In luftiger Höhe balzen gerade auch Herr und Frau Wanderfalke. Sie sitzen zusammen, besichtigen den ausgewählten Nistplatz, locken sich mit Rufen und kreisen über dem Revier. Manchmal bringt er seiner Ausgewählten einen selbst erbeuteten Leckerbissen. Seit vielen Jahren zieht das Paar jährlich zwei bis drei Junge groß.

Tiere vor der Haustür - Der Wanderfalke, Falco peregrinus, im Naturentdeckerblog von Katharina von der Heide und Oliver Borchert

Wanderfalken ernähren sich fast ausschließlich von Vögeln, die sie in freiem Flug jagen. Dafür haben sie zwei Methoden: Entweder stürzen sie aus großer Höhe mit einer wahnsinnigen Geschwindigkeit von bis zu 320 Km/h auf die Beute, erschlagen diese mit den nicht geöffneten Füssen, fliegen einen Bogen und holen sich den durch den Aufprall benommenen oder meistens bereits toten Vogel. Oder aber sie harren auf einer Warte aus und fliegen dann blitzschnell von hinten und unten die Vögel an und vertrauen dabei auf ihre Geschwindigkeit. Der Ausspruch "aus dem toten Winkel" bekommt da eine makabere neue Bedeutung.


In der Stadt stehen vor allem Tauben auf seinem Speiseplan. Aber nur ungefähr 13% der Angriffe gehen erfolgreich für die Wanderfalken aus, denn wenn die Tauben es rechtzeitig bemerken, dann können sie durch schnelles Kurvenfliegen den Verfolger abschütteln. Gerne jagt ein Paar deshalb gemeinsam, das erhöht die Chancen. Sogar nachts jagen Wanderfalken gelegentlich Zugvögel, denen im Lichtermeer der Städte der Schutz der Dunkelheit fehlt.

Tiere vor der Haustür - Der Wanderfalke, Falco peregrinus, im Naturentdeckerblog von Katharina von der Heide und Oliver Borchert

Der Wanderfalke ist übrigens nicht nur das schnellste Tier auf Erden, sondern auch noch der am weitest verbreitete Vogel auf der Welt. Doch damit nicht genug: Wanderfalken sind auch die größten Falken in Deutschland. In Schwerin haben wir das Glück, dass es gleich zwei Wanderfalkenpaare gibt. Eines am Dom und eines in Schwerin Süd. An der Paulskirche hingegen brüten jedes Jahr die etwas kleineren, eleganten Turmfalken.

Seit den 1980er Jahren haben die Wanderfalken hohe Gebäude für sich entdeckt und die darin angebrachten Nisthilfen werden zumindest in den beiden großen Schweriner Kirchen gut von Wander- und Turmfalken angenommen. Von Natur aus sind sie eher in felsigen Gebirgslandschaften heimisch. Durch das Insektizid DDT gab es im letzten Jahrhundert starke Bestandseinbrüche. Nach dem Verbot der Substanz hat sich der Bestand der Wanderfalken auch dank der flexiblen Brutplatzwahl inzwischen aber gut erholt. 

Tiere vor der Haustür - Der Wanderfalke, Falco peregrinus, im Naturentdeckerblog von Katharina von der Heide und Oliver Borchert

Fotos: Oliver Borchert

Text: Katharina von der Heide

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