Wintermücken (Trichocera sp.) 

Wintermücken, Trichocera sp, im Naturentdeckerblog von Katharina von der Heide und Oliver Borchert

 

Die Insekten haben sich zurückgezogen und die Zugvögel sind in wärmere Gefilde abgewandert. Grau, nass und dunkel ist es draußen - einfach ungemütlich. An solchen kalten Novembertagen bleiben wir Menschen am Liebsten im geheizten, gemütlichen Heim.

Das ist genau die richtige Zeit für die Wintermücken, die den ganzen Sommer komplett verschlafen, wenn es ihnen zu warm ist. Die frostresistenten Mücken können dank ihrer Glycerin-ähnlichen Körperflüssigkeit in der kalten Jahreszeit leben. Das "Frostschutzmittel" verhindert ein Durchfrieren der Mücken und das Zerreißen ihres Gewebes und der Zellen. So können diese Insekten erst bei knapp über 0 Grad so richtig aktiv werden.

 

 
 
Wintermücken, Trichocera sp, im Naturentdeckerblog von Katharina von der Heide und Oliver Borchert

Zur Aufnahme des spärlichen Lichtes sind sie dunkel grau gefärbt und selbst ihre durchsichtigen Flügel besitzen schwarze Adern, um die Strahlungswärme möglichst gut aufzunehmen. An sonnigen Wintertagen und im Vorfrühling kann man die männlichen Wintermücken besonders gut tanzen sehen, aber auch vor wenigen Tagen haben diese Mücken in den Schweriner Gärten das wiedererwachte Leben gefeiert. Was für eine verkehrte Welt bei diesen Winter-Ressourcen nutzenden Tieren.

Keine Sorge, stechen tun diese den Stechmücken ähnlichen Insekten aber nicht. Sie nehmen in den zwei bis drei Lebenswochen, die sie als fertig entwickelter Zweiflügler haben, noch nicht einmal Nahrung zu sich. Im Winter ist es halt schwierig, Nektar oder ähnliche energiereiche Kost zu finden, deshalb haben sich diese Tiere darauf eingestellt, nur Wasser zu trinken und von dem zu zehren, was sie als Larve zu sich genommen haben. Ihr Larvendasein verbringen sie im Boden unter Blättern und ernähren sich von zerfallenen Pflanzenresten und von den Exkrementen anderer Tiere.

Übrigens sind diese weitgehend unbekannten Insekten schon sehr lange auf der Erde heimisch: Fossile Funde von zahlreichen Gattungen und Arten dieser Mücken reichen bis in die Trias zurück. Und wer kennt sie nicht, die in Bernstein eingeschlossenen Mücken? Teils sind diese Arten auch heute noch vertreten. In Deutschland gibt es etwa 15 verschiedene Arten dieser Überlebenskünstler, weltweit sind 110 Wintermücken-Arten bekannt, wobei ihr Verbreitungsgebiet sehr groß ist. So sind sie nur in bestimmten Gebieten Afrikas nicht beheimatet.

 

Wintermücken, Trichocera sp, im Naturentdeckerblog von Katharina von der Heide und Oliver Borchert
Wintermücken, Trichocera sp, im Naturentdeckerblog von Katharina von der Heide und Oliver Borchert

Text: Katharina von der Heide

Fotos: Oliver Borchert

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