Neue Klänge in altem Gemäuer - Die Philharmonix in Dargun

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Nur fliegen ist schöner dachten sich die jungen Mauersegler, die ihren Jungfernflug antraten und rasend schnell über den Kloster- und Schlossmauern in Dargun kreisten und lauthals kreischten. Für sie beginnt in diesen Tagen ein Leben fast ausschließlich in der Luft, bevor sie in ein paar Wochen die lange Reise nach Südafrika antreten. Auch innerhalb der Ruine waren lang vermisste Klänge zu hören, hatten doch die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern zu den "Philharmonix" geladen.

 "Dies wird ein herrlicher Abend, ich merk das schon" begrüßte Julia Sinnhöfer von den Festspielen die Gäste, während im Publikum schon ein Sektkorken knallte. Die sieben Musiker, bestehend aus Berliner und Wiener Philharmonikern, versprachen nicht nur Klassik zu spielen, sondern einen großen Mix aus verschiedenen Genres. "Also nix gewöhnliches und alles miteinander vermischt", sagte Daniel Ottensamer (Klarinette), der charmant durch das Programm führte. Das stilistische Mischungsverhältnis ist derzeit etwa 30% Klassik, 20% Jazz, je 15% Folk, Pop und Latin und 5% andere Genres. Für die ungewöhnliche Besetzung Klarinette, fünf Streicher und Klavier gibt es keine Originalstücke, deshalb arrangierten die Musiker kurzerhand alle ihre Stücke selbst und öffneten inspirative Türen in neue Hörwelten.

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Da wurde Beethovens zweiter Satz aus seiner siebten Sinfonie mit Swing vermischt und der erste von Brahms ungarischen Tänzen mit eigener ungarischer Csárdás Würze abgeschmeckt. Gezupft, gerasselt und geklopft wurde bei einer 7/8 Samba so, dass man das zugrundeliegende Weihnachtslied "Feliz Navidad" kaum noch erkennen konnte und die Musiker es somit zur Erheiterung der Besucher auch im Sommer spielen konnten.

 
 
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Die ungebremste Lust am gemeinsamen Musizieren spürte das Publikum und jubelte und tanzte ausgelassen. Die Kombination aus wunderbar leichter Musik, einer entspannten Atmosphäre in diesem herrlichen Ambiente war einzigartig. Da ging die Sonne viel zu schnell unter hinter den offenen Fenstern der 1945 durch einen Brand zerstörten urigen Kloster- und Schlossanlage und so war nach zwei Zugaben der kurzweilige Abend mit Livemusik schon vorbei. Beseelt und beschwingt schlenderten die Gäste über die Anlage in alle Richtungen davon. 

Fotos: Oliver Borchert

Text: Katharina von der Heide

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