Hieroglyphen-Schmuckschildkröte (Pseudemys concinna) 

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Ungewöhnliche Begegnung am Lankower See

Auf dem Heimweg von unserem täglichen Schwimmen begegneten wir in den Gärten am Lankower See einem dort noch nie von uns gesichteten Tier: Eine etwa 35 Zentimeter große Schildkröte wanderte den Weg entlang. Was tun? Wir sprachen mit den dortigen Gartenbesitzern und telefonierten herum: Zoo, Polizei - keiner konnte uns helfen. Bei der Festnetznummer des Tierheims ging niemand ans Telefon.

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Erstmal gesichert...

Also haben wir die offensichtlich hier nicht heimische Schildkröte in einem großen Eimer gesichert und sind mit ihr zum Tierheim gefahren. Dort in Warnitz standen wir dann vor verschlossener Tür, denn für Besucher ist momentan nicht geöffnet. Nach einiger Zeit kam jedoch zufällig eine Mitarbeiterin ans Tor und musste bei unserem Fund ein wenig schmunzeln: "Die Schildkröten leben schon lange im Lankower und auch im Faulen See. Wir werden immer mal wieder deswegen angerufen".

Seit einigen Jahren bin ich fast täglich am oder im Lankower See unterwegs, habe aber vorher dort noch nie eine Schildkröte gesehen. Jetzt wissen wir es: Am Lankower See gibt es also tatsächlich wildlebende Schildkröten - ausgesetzte oder entflohene Tiere, die sich an die neue Umgebung offenbar gut gewöhnt haben.

Im Gegensatz zu der hier sehr selten gewordenen Europäischen Sumpfschildkröte hatten wir es nun mit einem Exemplar aus Nordamerika zu tun. Noch ist die Vermehrung im Freien nicht nachgewiesen, doch es gibt in deutschen Gewässern immer öfter Schildkröten aus Gefangenschaft. Sie werden immer häufiger ausgesetzt, weil sie vielen Haltern mit ihren bis zu 50 Jahren zu alt oder mit bis zu 40 Zentimetern zu groß werden.

Zurzeit geht es ihnen zweifelsfrei in unseren Gewässern gut, aber was machen sie eigentlich im Winter? Vergraben sie sich an Land, sobald die Sonne tiefer steht und es kälter wird? Einige werden es wahrscheinlich nicht schaffen. Dieses Reptil hingegen hat schon einige Jahre und vermutlich einige Geschichten erlebt. Wir jedenfalls setzten das äußert hübsche Hieroglyphen-Schmuckschildkröten-Weibchen wieder am Lankower See nahe der Fundstelle aus und beobachteten es noch eine Weile, wie es überhaupt nicht scheu in der Wasserpest am Ufer schwimmt. Die gut genährte Schildkröte findet dort reichlich zu fressen, denn sie ernährt sich überwiegend von Wasserpflanzen. Sollte ihr aber mal ein kleines Fischlein oder eine Insektenlarve unterkommen, wird sie auch diese nicht verschmähen.


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Hinein ins kühle Nass...
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...abtauchen...
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...und noch einmal umschauen!

Text: Katharina von der Heide

Fotos: Oliver Borchert

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