Kernbeisser (Coccothraustes coccothraustes) 

Was ist denn das für ein bunter Paradiesvogel? In unserem Garten hatten wir neulich das erste Mal Besuch von einem Kernbeißer. Eigentlich ist der 17 Zentimeter große Fink gar nicht so selten und weltweit im Bestand nicht gefährdet, doch in unserem Garten hatten wir den standorttreuen Vogel bisher noch nicht entdeckt. Im Gegensatz dazu flattern andere Finken wie Buchfink, Grünfink oder Stieglitz häufig durch unsere Gebüsche und Hecken. Der Kernbeißer ist mit seinen 55 Gramm Gewicht und einer Spannweite von 30 Zentimetern der größte hier heimische Fink. Deshalb wurde er früher auch als Finkenkönig bezeichnet.

Kernbeißer, Finkenkönig, Coccothraustes coccothraustes

Charakteristisch ist der heutzutage namensgebende blau-graue Schnabel, vor allem ist der Oberschnabel unter Finken ein einmaliges Schneidewerkzeug. An den Außenkanten befinden sich zwei Schneidekanten, doch damit ist Kernbeißers Oberschnabel noch nicht komplett. Im Inneren in der Mitte befinden sich zusätzlich drei parallel gelegene Schneiden. Um die Führung eines Kerns zu gewährleisten ist der Unterschnabel entsprechend ausgehöhlt. In der hinteren Schnabelhälfte arbeiten zwei Knoten im Unterschnabel gegen einen geriffelten und verstärkten Oberschnabel. So können diese fünf Schneiden in Verbindung mit einer kräftigen Muskulatur einen erheblichen Druck auf kleine Gegenstände ausüben. Mit dem kräftigen kegelförmigen Beißwerkzeug ist es für einen Kernbeißer kein Problem, zum Beispiel Kirschkerne zu knacken. Dabei wird die Naht des Kernes nach unten gepackt, da hier der niedrigste Spaltdruck benötigt wird. Flache Zwetschgenkerne hingegen werden flach in den Schnabel genommen und werden mit einer fast doppelt so hohen Kraftanstrengung auch gespalten. So kommt der Kernbeißer jederzeit an seine Nahrung, die anderen Finken verborgen bleibt.

Jedoch gibt es auch bei Kernbeißern gerne Insekten zu fressen, besonders zur Aufzucht der Jungen. Auch Käfer mit ihrem teils kräftigen Panzer sind dann vor dem Zuschnappen des Schnabels nicht geschützt.

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Text: Katharina von der Heide

Fotos: Oliver Borchert

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