Blaue Federlibelle (Platycnemis pennipes) 

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Die Dinosaurier unter den Insekten sind eindeutig die Libellen, haben sie sich doch im Aussehen und Bau zu den Arten kaum verändert, die vor rund 150 Millionen Jahren zusammen mit den Urzeitreptilien gelebt haben. Doch die Libellen existieren noch viel länger, vor unvorstellbaren 320 Millionen Jahren gab es sie bereits - und das mit einer Flügelspannweite von bis zu 60 Zentimetern. Im Erdzeitalter des Perm vor rund 275 Millionen Jahren waren diese heute so fragilen Wesen mit einer Spannweite von 75 Zentimetern sogar noch größer und so groß wie ein heutiger Turmfalke. Dies jedenfalls überliefern uns Versteinerungen aus jener Zeit.

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Im Hier und Jetzt stehe ich nun am leicht fließenden Gewässer und sehe zu, wie sich die zu den Kleinlibellen gehörenden Blauen Federlibellen mit einer Flügelspannweite von nur 4,5 Zentimetern paaren. Mit angekoppeltem Männchen sticht das Weibchen bei der Eiablage 200 bis 300 Eier in die Blütenstiele der gelben Teichrose. Die Larven der neuen Generation schlüpfen in zwei bis drei Wochen und halten sich dann im Bodenschlamm auf. Die kleinen Räuber ernähren sich in dieser Zeit von anderen Insektenlarven und Würmern. Sie überwintern noch als Larve, bevor sie sich im Mai und Juni des nächsten Jahres zu den grazilen Lebewesen entwickeln und eine neue Generation auf den Weg schicken.

Weltweit sind heute über 6000 Libellenarten beschrieben, von denen 400 zu den Federlibellen zählen. In Mitteleuropa ist jedoch die Blaue Federlibelle die einzig bekannte und verbreitete Art. Federlibellen heißen sie deshalb, weil die Unterschenkel des mittleren und des hinteren Beinpaares bei den Männchen flach und verbreitert an eine Feder erinnern.

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Egal welchen Namen wir diesen Lebewesen geben, faszinierend ist es, ihrem bunten Treiben zuzusehen. Schon seit Millionen Jahren gibt es jedes Jahr dieses Schauspiel, noch weit vor uns Menschen existierten diese Insekten und ich bin beruhigt, denn die Libellen werden voraussichtlich auch weitere Millionen Jahre leben, auch wenn es uns Menschen längst nicht mehr gibt.

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Text: Katharina von der Heide

Fotos: Oliver Borchert

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