An der mecklenburgischen Eismeerküste

Text: Katharina von der Heide

Habe ich vorher jemals auf der Ostsee gestanden? Das Eis war am äußeren Salzhaff vor dem Boiensdorfer Werder in großen Schollen zusammengeschoben und erstarrt. Wir liefen über das Packeis und kamen uns aufgrund der wundervoll veränderten Winterlandschaft vor wie in einem Märchen. Der Soundtrack war das traurige Trompeten der tausenden überwinternden Singschwäne, die am Rand des Eises im flachen Wasser nach Nahrung gründelten. 

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In fantastischen Pastellfarben haftete sich das Bild des bizarr zugefrorenen Breitlings an meine Netzhaut und auf der gegenüberliegenden Seite die Insel Poel und die vorgelagerte Vogelschutzinsel Langenwerder im Sonnenuntergang. Ein Kitsch wie er kitschiger gar nicht sein kann. Es hat alles gestimmt an diesem Valentinstag.

An diesem Abend hätte es keinen anderen Ort gegeben, an dem ich lieber gewesen wäre.

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Auch der sonst so bekannte Seegeruch ist erstarrt: bei minus acht Grad Celsius riecht es ausschließlich nach klarer klirrender Kälte. Jedoch als wir uns die Spröde werdenden Lippen befeuchteten, schmecken wir die gewohnte leichte Salznote. 

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An den Anblick von fünf auf den Steinen ruhenden Seehunden hat man sich an der deutschen Ostseeküste inzwischen schon fast gewöhnt, aber noch vor zehn Jahren wäre dieses Ereignis selten gewesen. Auch sie trugen zu dem Gesamtkunstwerk bei, indem sie grenzenlos friedlich dort auf ihren Steinen lagen. Dazu eine Schar von Enten, Schwäne, Kormorane und Möwen soweit das Auge reichte. Dazwischen immer wieder etwas Aufruhr: Seeadler zogen ihre Kreise, mehr um zu Balzen als um sich von dem gedeckten Tisch etwas zu holen. Eine große Möwe hatte aber offensichtlich Hunger und schlechte Laune und ärgerte eine Schellente, die nicht mit den Kollegen aufgeflogen war. Schließlich tauchte die Ente ab und suchte so die Flucht in der Menge der anderen Enten. 

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Zu einem der Höhepunkte kam es als die Sonne bereits untergegangen war und die überfliegenden Kraniche in das traurige trompeten der Singschwäne einstimmten. Sie flogen in V-Formation zu ihren sicheren Schlafplätzen und auch die Seeadler kamen zur Ruhe und landeten auf dem Eis.

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